UNESCO-Fachtagung zu Gast am MELISSANTES-Gymnasium: Immaterielles Kulturerbe erleben
Wie lässt sich Immaterielles Kulturerbe nicht nur vermitteln, sondern tatsächlich erfahrbar machen? Dieser Frage widmete sich die bundesweite Fachtagung der UNESCO-Projektschulen, die vom 22. bis 25. September 2026 unter dem Motto „IKE macht Schule. Immaterielles Kulturerbe erleben“ in Thüringen stattfand. Rund 150 Vertreter*innen aus den insgesamt 300 UNESCO-Projektschulen aus ganz Deutschland kamen zusammen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Impulse für ihre schulische Arbeit mitzunehmen.
Auch das Staatliche Gymnasium „MELISSANTES“ Arnstadt, das seit 2009 zum Netzwerk der UNESCO-Projektschulen gehört, durfte im Rahmen eines Exkursionstages eine Gruppe von Tagungsgästen begrüßen. Im Mittelpunkt unseres Programms standen die künstlerischen Drucktechniken des Hoch-, Tief-, Flach- und Durchdrucks, die als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt sind, sowie ihre Verbindung mit regionaler Kunst und Kultur.
Zu Beginn des Vormittags erhielten die Gäste bei einem Rundgang durch das Schulhaus Einblicke in unterschiedliche Bereiche unserer UNESCO-Arbeit. Vorgestellt wurden unter anderem unser jährlicher UNESCO-Projekttag und weitere Projekte, mit denen UNESCO-Themen in unserem Schulleben verankert werden. Dabei kamen auch Schüler*innen selbst zu Wort und berichteten aus ihrer Perspektive von Projekten, an denen sie beteiligt waren. Ein besonderes Anliegen war es, den Gästen zu zeigen, dass UNESCO-Arbeit nicht auf einzelne Veranstaltungen beschränkt bleiben soll, sondern möglichst selbstverständlich in den Schulalltag hineinwirkt, in Unterricht und Projekten ebenso wie in der geplanten Neugestaltung unseres Schulhauses und in Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung.
Anschließend stand das diesjährige Tagungsthema ganz praktisch im Mittelpunkt. In verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmer*innen selbst künstlerisch tätig werden und unterschiedliche Zugänge zu Druck und Gestaltung erproben. Unterstützt wurden sie dabei von Schüler*innen unserer Kunst-AG, die sich bereits im Vorfeld intensiv mit verschiedenen Drucktechniken beschäftigt und eigene Arbeiten angefertigt hatten. Clara Schaal, Merle Meszner, Anne Jahn und Bastian Voigt erklärten die Verfahren und unterstützten die Gäste bei der praktischen Umsetzung. Gerade diese Verbindung von theoretischem Wissen, eigener künstlerischer Tätigkeit und der Weitergabe von Erfahrungen machte den Gedanken des Immateriellen Kulturerbes unmittelbar erfahrbar: Kultur lebt davon, dass Wissen und Fähigkeiten nicht nur bewahrt, sondern weitergegeben, ausprobiert und immer wieder neu gestaltet werden.
Am Nachmittag führte die Exkursion weiter nach Holzhausen zum Otto-Knöpfer-Haus. Damit rückte zugleich ein Künstler in den Mittelpunkt, der eng mit unserer Region verbunden ist. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern vor Ort setzten sich die Gäste mit Otto Knöpfers Leben, seinem Werk und seiner besonderen Verbindung zur thüringischen Landschaft auseinander. So entstand eine Brücke zwischen der regionalen Kunstgeschichte und den zuvor erprobten künstlerischen Techniken. Beim anschließenden Spaziergang auf dem Otto-Knöpfer-Weg wurde diese Verbindung noch einmal auf besondere Weise erlebbar. Im Rahmen einer Foto-Challenge machten sich die Teilnehmer*innen auf die Suche nach Landschaftsausschnitten und Motiven, die an Werke Knöpfers erinnerten. Mithilfe von
Bilderrahmen wurden eigene Bildausschnitte gewählt und fotografisch festgehalten. Auf diese Weise wurde aus der Betrachtung von Kunst eine aktive Auseinandersetzung mit jener Landschaft, die Otto Knöpfer selbst immer wieder inspiriert hatte.
Neben allen inhaltlichen Programmpunkten war für uns besonders der Netzwerkgedanke der UNESCO-Projektschulen spürbar. Der Tag bot Gelegenheit, Kolleg*innen aus unterschiedlichen Bundesländern kennenzulernen, miteinander über schulische Erfahrungen und Projekte ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen. Gerade darin liegt eine große Stärke des UNESCO-Netzwerks: Schulen können voneinander lernen, Ideen weitergeben und Verbindungen schaffen, aus denen vielleicht künftig auch gemeinsame Projekte und Kooperationen entstehen.
Ein großes Dankeschön:
Ein solcher Tag lässt sich nur gemeinsam gestalten. Deshalb gilt mein besonderer Dank zunächst den Schüler*innen unserer Kunst-AG, die sich bereits lange im Vorfeld mit den Drucktechniken beschäftigt, Arbeiten vorbereitet und unsere Gäste am Tag selbst mit großem Engagement begleitet haben. Ihr habt entscheidend dazu beigetragen, dass aus einem Workshop ein echtes gemeinsames Erlebnis wurde.
Ein ganz besonderer Dank geht außerdem an Frau Dr. Stumpp und Frau Maulhardt. Ohne ihre intensive fachliche, organisatorische und kreative Unterstützung wäre die Gestaltung dieses Tages in dieser Form nicht möglich gewesen.
Ebenso bedanke ich mich herzlich bei unserer Schulleitung, die die Durchführung des Exkursionstages von Beginn an unterstützt und ermöglicht hat, sowie bei Frau Renner und Frau Jonetz-Menzel für ihre tatkräftige Unterstützung bei Vorbereitung und Durchführung des Schulhausrundgangs. Vielen Dank auch an die Kolleginnen, die für ein Buffett für unsere Gäste gesorgt haben!
Unser Dank gilt darüber hinaus unseren Partner*innen im Otto-Knöpfer-Haus, namentlich Frau van Bellen und Herrn Rehm, die den Nachmittag gemeinsam mit uns gestaltet und den Gästen einen besonderen Zugang zu Otto Knöpfer, seinem Werk und unserer Region ermöglicht haben.
Am Ende bleibt vor allem die Erinnerung an einen Tag, an dem sehr vieles zusammenkam: UNESCO-Arbeit, Immaterielles Kulturerbe, regionale Kultur, künstlerisches Arbeiten, Schülerbeteiligung und der Austausch innerhalb eines bundesweiten Netzwerks. Für uns war es eine besondere Freude, unsere Schule und unsere Arbeit präsentieren zu dürfen und zugleich selbst viele neue Impulse mitzunehmen.
Laura Stadtmüller (UNESCO-Schulkoordinatorin)
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